Immer und endlich, Folge 3. Ab und zu sollten wir uns unsere Träume erfüllen. Auch die großen. Denn, ganz ehrlich, irgendwann geht das nicht mehr.

Ein großer Traum von mir war es, an einem Radio-Workshop in den USA teilzunehmen. Es gibt dort eine bestimmte Workshop-Reihe, so genannte Transom Workshops, bei denen Radio-Halbgötter Anfängern wie mir die Basics erklären.

Und im Januar 2017 war’s soweit. Eine fantastische Woche lang habe ich in New York das Radiomachen gelernt. Und in diesem Rahmen auch einen kleinen Beitrag gebastelt. Weil es darin auch um das Thema Tod geht, wird aus diesem Beitrag nun die dritte Folge von immer und endlich.
Der Originalbeitrag ist logischerweise auf Englisch. Aber ich habe ihn noch einmal überarbeitet und meine englischen Texte auf Deutsch eingesprochen. Da meine Interviewpartnerin aber natürlich Amerikanerin ist, ist das, was ihr jetzt gleich hören werdet, teils Deutsch, teils Englisch.

So viel vorab zur Info. Das ist aber auch schon alles, was ihr wissen müsst…

— Fön —
Divya Anantharaman hat ihren pinken Fön rausgeholt. Sie stylt die Schwanzfedern eines Pfaus. Sie will ihnen etwas mehr Volumen geben.

After you wash feathers they lie flat, it’s a lot like hair. When I want it to look like really nice, I have to do something to it. Like blow dry it or style it. So it’s the same way.

Die Federn liegen – ausgebreitet wie ein riesiger Blumenstrauß – auf Divyas Schreibtisch.
Divya ist Tierpräperatorin. Der Pfau stammt von einer Farm für Ziervögel und ist an Altersschwäche gestorben. Divya präpariert ihn jetzt für einen Kunden. Sie hat den Vogel gehäutet und alle seine Bestandteile gereinigt, von den Knochen bis hin zu den Federn.

Hier, in ihrem kleinen, ordentlichen Dachstudio, kümmert sie sich um die Feinarbeiten. Wenn sie die Schwanzfedern fertig aufgehübscht hat, klebt Divya sie an einen Pfauentorso aus PU-Schaum. Diese so genannte Form hat Divya schon modelliert. Später legt sie die Haut des Pfaus um diese Form und bringt die Flügel und den Kopf an. Ganz zum Schluss kommt dann der Feinschliff.

The very last thing I would do is polishing the eyes. An hour before the customer comes, so that they are their absolute shiniest. (laughs)

Divya sagt, es ist die Kombination aus Natur, Kunst und Wissenschaft, die sie an der Taxidermie reizt. Bevor sie aber ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, war Divya Schuh-Designerin. Sie hat über 10 Jahre in der Modebranche gearbeitet. Die unglaubliche Menge an Abfall, die die Modeindustrie produziert, konnte sie aber irgendwann nicht mehr mit sich vereinbaren.
Bei der Taxidermie ist das völlig anders. Divya erklärt mir, dass dabei so gut wie gar kein Abfall entsteht. Ihre Präparate halten ewig, wenn sich die Kunden darum kümmern. Und so viele Knochen wie möglich kommen in Museen oder werden zu Schmuck verarbeitet. Und wenn es gesundheitlich unbedenklich ist, dann isst Divya das Fleisch der Tiere – auch das von Pfauen. Oder sie gibt es ihren beiden Katzen, Fugazi und Garfield.

— Katzen —

Keines der Tiere, die Divya präpariert, wurde für diesen Zweck getötet. Oft sind es sogar Privatpersonen, die ihr verstorbenes Haustier zu Divya bringen, damit sie es sich später ins Wohnzimmer stellen können. Wenn Fugazi und Garfield einmal sterben, wird Divya sie allerdings nicht präparieren. Sie plant stattdessen, sie zu Schmuckstücken verarbeiten zu lassen.

I’ll have them cremated and turned into jewelry I think. There is this thing where you can cremate an animal and have it put into glass or a stone. I think that’s what would happen to them. I definitely couldn’t live with just the taxidermy of them. I would want the live, bubbly, mushy cat. There is no replacement for that. But I can understand why a lot of people would like the taxidermy. They want the memento.

J: Don’t get me wrong. Don’t you think it’s a bit contradictory to what you do?

Everybody likes what they like. I like what I like, that’s it. … (You know, I don’t have to want it.) It’s like when I was shoe designer. I would design lots of shoes that I would never wear. It’s not like it was a bad shoe. It’s just not for me. It’s just something else.

Das Präparieren ihrer eigenen Haustiere ist für Divya selbst also einfach nicht das Richtige. Es gibt noch ein paar andere Dinge, die Divya nicht tun würde. Sie sagt, sie lässt die Finger von allem, was illegal wäre. Und auch kranke Tiere präpariert sie nicht. Und dann gibt es da noch eine Sache, die sich Divya absolut nicht vorstellen könnte…

I have friends who work as autopsy technicians and like morticians and all that stuff … I don’t think it’s something I could ever do. Cause I would get too sensitive about it cause it is too real for me. Whereas with animals, there is a disconnect. And the smell of humans is gross. Like spoiled ham farts. (laughs) It’s so gross. So that’s like another thing.. No, I can’t do it. The whole thing is like too much. For me.

Auch wenn Divya menschliche Leichen ekelig findet, hat sie sich natürlich auch schon mit ihrem eigenen Tod befasst. Sie sagt, sie möchte einmal so wenig wie möglich zurücklassen – das gilt auch für ihren Körper.

I want it to go to science. I want every harvestable part of it to be used for science, whatever that is. Whatever is left I want to go on top of a mountain and have the birds eat it. I don’t want anything left.

J: Do you believe in life after death?

In taxidermy, yes (laughs). But not really, no.

Natürlich habe ich auch Divya gefragt, wie sie den Satz vervollständigen würde “Before I die I want to…”

My gosh, that’d be so long. I guess, the shortest version would be: Before I die I wanna make sure that I’ve done everything I can to make what’s left better. Like make the remaining world better in whatever way I can. Whether it’s making sure I lived as intentionally as possible or as possibly as possible. That I didn’t leave behind any angry people or a load of useless plastic crap. Anything as small or as big as that.

Divya geht den Tod in mancher Hinsicht recht pragmatisch an. Allerdings betont sie, dass die tägliche Arbeit mit toten Tieren sie keineswegs abstumpft.

That’s a misconception that people have. Taxidermists are definitely not numb to it. No, I don’t feel less sad. I feel less negative about it. I don’t see it as “why” – I know why it happened. Every life ends. But I see it as a reminder that our life is limited. To make the best of it.

Vielen Dank fürs Zuhören, das war immer und endlich, ein Podcast über den Tod. Ich bin Johanna Bowman.

03 Präpariert für ein Leben nach dem Tod – Transkript

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